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Silvias Besenbeiz am Scheiahöhenweg , von Michael Klesse Silvias Besenbeiz am Scheiahöhenweg

Es lohnt sich mehrfach, Flims im Graubünden zu entdecken. Wer den Scheiahöhenweg oberhalb von Flims bewandert, demjenigen sind atemberaubende Blicke auf die Wunder der Natur beschert.

Genau am richtigen Ort und zur richtigen Zeit, wenn der Magen knurrt, trifft der Wanderfreund auf Silvias Besenbeiz. Sie führt mit Leidenschaft und Herzblut dieses winzige Lokal im Holzschopf von Freitag bis Montag. Hier gibt es keine Speisekarte. Alles was sie anbietet ist angeschrieben und sind lokale Spezialitäten: Gerstensuppe, Käseplatte, Käsekuchen, Salzis, Schafwurst und Hauswurst von den eigenen Biosuissekühen, die sich direkt vor der Beiz in der Sonne wärmen und die man noch streicheln kann.

Zum Trinken gibt es Bündner Weine und natürlich Surselvabräu aus Flims. Die Brauleute feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum.

Silvias Besenbeiz oberhalb vom Dorf, 7017 Flims; www.surselva-bier.ch

Unter Verdacht wegen dem Äusseren , von Stefan Hugi Unter Verdacht wegen dem Äusseren

Stell dir vor, du wirst immer wieder von der Polizei angehalten und kontrolliert wegen deiner Hautfarbe. Ohne konkreten Verdacht. Ohne Grund. Man nennt das Racial profiling. Ob es das in der Schweiz gibt? Ja, das gibt es.

Mohamed Wa Baile kennt diese Kontrollen zur Genüge. Denn er ist schwarz. Er ist in Kenia geboren, vor 15 Jahren in die Schweiz gekommen und in Bern daheim. Regelmässig wird er grundlos von Polizisten überprüft: auf seinem Arbeitsweg an die ETH Zürich oder vor der Kita, wo er seine Kinder abholt. Weil er sich mittlerweile weigert, den Ausweis zu zeigen, wird er aufgehalten und sein Gepäck untersucht.

Diese Erlebnisse hat Wa Baile nun im Theaterstück «Mohrenkopf im Weissenhof» festgehalten. Es wird ein einziges Mal aufgeführt im Rahmen der Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus, soll die Zuschauer zum Nachdenken anregen und gängige Vorurteile zur Diskussion bringen.

«Mohrenkopf im Weissenhof» am Freitag, 27. März um 18.00 Uhr im ONO in Bern, Eintritt frei - www.facebook.com/mohamedwabaile / www.onobern.ch

Der letzte Tanz! , von Michel Gygax Der letzte Tanz!

Am Freitag, 27. März 2015 kreisen im Restaurant im Quadrat letztmals die Schwingbesen in der Küche, die Silberlinge im CD-Spieler und die Hüften auf dem Tanzparkett. Um 18.00 Uhr startet das Menü in drei Gängen. Ab 21.00 Uhr feiert das DJ-Kollektiv von Tanzen im Quadrat die finale Disko. Wie immer hin und her, kreuz und quer und mit viel Leidenschaft. Danach werden die Lichter gelöscht und das Restaurant im Quadrat geht in andere Hände über.

Die Tanznacht zügelt danach ins Schloss Köniz. Am 29. Mai heisst es dort erstmals «Helga! Tanzen im Kulturhof». Wie gewohnt kann man sich bei einem Dreigangmenü auf den Abend einstimmen, danach legt die DJ-Schar von Tanzen im Quadrat friedlich, beschwingt und mit viel Liebe Musik auf – querbeet und ohne grosse Berührungsängste. (WDH)

Restaurant im Quadrat, Bernstrasse 178, 3052 Zollikofen, www.imquadrat.ch

Lost & Found Accessoires , von Patrik Zeller Lost & Found Accessoires

Das neue Smartphone neben mir klickte ich auf "Kaufen", da war mir bewusst, dass ich einen Fehler begangen hatte: Die bestellte Smartphonehülle liess ich aus Japan einfliegen. Dabei wäre das Glück so nah gewesen: Meine sympathische Nachbarin führt mit ihrer Schwester ein Label mit praktischen, aber gleichwohl stilvollen Accessoires aus Leder und bunten Stoffen. Auf die Idee gekommen sind die beiden auf Reisen, als sie eben genannte Utensilien vermissten. Nachdem die in Grossfirmen tätigen Schwestern sich beruflich nach Kreativität und Leidenschaft sehnten, wurde Lost & Found 2011 ins Leben gerufen. Versprochen: Auf der Suche nach dem nächsten Accessoire klingle ich auf jeden Fall an Lara's Haustür. 

Die Produkte sind über die Lost & Found Webseite und verschiedene Verkaufsstellen erhältlich. 

www.lostandfound-accessoires.ch

Ein Chalet der Erinnerungen , von Pascal Sennhauser Ein Chalet der Erinnerungen

So gross die Leiden gewesen sein mussten, so grossartig ist die aus dieser Not geborene Leistung. Der 2010 an «Amyotropher Lateralsklerose» (Erkrankung des motorischen Nervensystems) verstorbene britische Historiker Tony Judt hat in unzähligen Nächten des quälenden Wachliegens in seiner eigenen Vergangenheit gewühlt und dabei ganze Geschichte(n) in seinem Kopf verfasst. Judt: «[...] an die Stelle des Schäfchenzählens traten komplexe Erzählungen mit vergleichbarer Wirkung.» Weil er sie aufgrund seiner unheilbaren Krankheit nicht mehr selber zu Papier bringen konnte, hat er diese Darstellungen tagsüber seinen Helfern diktiert.

Damit sich seine Erinnerungen bis zum Morgengrauen nicht verflüchtigten, hat sich Judt einer ebenso simplen wie bestechenden geistigen Methode bedient: Ausgehend von einem kleinen Chalet in der Schweiz (ebenfalls eine glückliche Kindheitserinnerung), hat er jede Episode einem Raum zugeordnet. Diese räumliche Gliederung seiner Gedanken erlaubte es ihm, einige Stunden später wieder darauf zurückgreifen zu können.  

Das Buch, das aus diesem nächtlichen Denken entstanden ist und nun vorliegt, vereint knapp zwei Dutzend kürzere Essays und erzählt uns einerseits Persönliches aus Judts Leben; seine jugendliche Liebe zu Eisenbahnzügen (!), des Vaters Vorliebe für Autos oder das schlechte Essen im Hause Judt werden ebenso erörtert wie die Studienjahre in Cambridge, sein Einsatz für die israelische Armee im Sechstagekrieg (Judts familiären Wurzeln reichen ins Ostjudentum zurück) oder die Zeit als Professor in New York. Andererseits erfahren wir einiges über die (prekären) Verhältnisse Englands in der Nachkriegszeit und über die Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im allgemeinen. Und dies stets aus einer persönlichen, engagierten und anrührenden Optik und mit intellektuellem Scharfsinn des Autors, immer aber ohne akademische Allüren.

Nicht nur für Historiker oder für Liebhaber von hochstehender Erinnerungsliteratur äusserst empfehlenswert: Tony Judt, Das Chalet der Erinnerungen, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M., 2014.

Zeitlos in Yverdon , von Adrian Garbely Zeitlos in Yverdon

Man(n) kennt das: Die holde Begleitung rauscht durch die Läden als ob es kein Morgen gäbe und man wünscht sich ein Ende des Einkaufsrausches oder doch zumindest ein kühles Blondes.

In Yverdon habe ich einen guten Kompromiss für dieses Problem erlebt: Die Fussgängerzone/Einkaufsstrasse bietet die üblichen Läden und Stores und an der Rue du Lac 8 im Obergeschoss gibts im «Café Intemporel» eine überaus erwähnenswerte Bier-Auswahl. Sowohl Interieur als auch verschiedene Biere und Cidres aus der Bretagne, aus Belgien und aus Québec verschlagen einen schlagartig aus der Schweiz hinaus.

Unter dem Namen «Squat à Bières» werden diese Biere, der Cidres aber auch Sirups und Limonaden aus England und Frankreich online vertrieben.

L'Intemporel Café, Rue du Lac 8, 1400 Yverdon-les-Bains, www.intemporel-cafe.ch, www.squat-a-bieres.ch

Nicht Hauptsache Fleisch , von Michael Klesse Nicht Hauptsache Fleisch

Hier sind nicht die "Damen vom Grill" am Werk, sondern die Initiantinnen von Goldburger. Im Oldtimer Verkaufswagen aus der ehemaligen DDR werden Burger mit Fleisch oder vegetarisch gebraten, auf der Strasse oder an Veranstaltungen unter die Leute gebracht.

Ihr Schwerpunkt ist die Herkunft des Fleisches. Es stammt ausschliesslich von Rindern, die ganzjährig im Freien leben, in sogenannter Mutterkuhhaltung, wo Kalb und Kuh zusammen sind. Die Tiere ernähren sich von Gras, werden im Winter mit Heu zugefüttert und bekommen auf natürliche Weise Mineralstoffe.

Hier geht es auch um die Ethik und wie wir das Töten von Tieren zur Nahrungsmittelgewinnung und -erzeugung als gegeben hin nehmen und wie wir töten. "Behandle andere so, wie du auch von ihnen behandelt sein willst." (Teutsch, 1987) Dies wird von den Goldburger-Betreiberinnen als sogenannte "goldene Regel" verstanden. Nach ihrer Meinung ist der Kugelschuss auf der Weide im vertrauten Herdenverband, ohne Anwendung von Zwangsmassnahmen durch Betäubung, "Gold" wert. Die Frage der Ethik, der Qualität und der Menge; sollte bei allen, die beim Fleischkonsum bleiben wollen, wesentlich bleiben.

www.goldburger.net, www.innovative-schlachtsysteme.de

Exklusives Olivenöl , von Patrik Zeller Exklusives Olivenöl

Als das in Bern wohnhafte Ehepaar Giovanni und Dorothea - so nennen sie sich jetzt - pensioniert werden, beginnt ihr Abenteuer: Sie wandern nach Apulien aus. Das frisch erworbene Haus beinhaltet einen Olivenhain mit wunderschönen, alten Bäumen. Die Pflanzen werden mit Liebe gepflegt, geerntet wird mit einfachsten Mitteln. Aus den Früchten entsteht köstliches, traditionell kalt gepresstes Olivenöl, das an die verbliebenen Familienmitglieder in der Schweiz geliefert, abgefüllt und mit einer kunstvoll gestalteten Etikette versehen wird. Das "Olio d'oliva del Salento" findet seinen Weg alsdann zu jenen, die das Produkt im Wissen um die Geschichte geniessen und erfahrungsgemäss bald wieder nach Neuem fragen. 

Eine Webseite zu diesem Tipp gibt es nicht. Das liegt an der Exklusivität: An das Öl kommt Frau und Mann nur durch persönlichen Kontakt. Mir wurde gesagt, einige Herz-haft-Schreibende wüssten mehr...

Rösterei , von Sophie Frei Rösterei

Kaffee weckt bekanntlich die Lebensgeister. Vor allem dann, wenn er von professionellen Baristas zubereitet wird, die sich mit viel Leidenschaft und Begeisterung jahrelang mit Kaffee auseinandersetzen. In Bern dösen meine Lebensgeister diesbezüglich zugegebenermassen ab und zu ein, wurden nun aber wieder einmal wach gerüttelt: In der Rösterei, einer liebevoll gestalteten und geführten Kaffee Bar mit Verkaufsladen im Industriestil in der Güterstrasse.

Hier gibt es täglich frisch gerösteten Kaffee, eine deliziöse heisse Schoki die erfreulicherweise mal nicht mit C anfängt und mit a endet, feine Mittagsmenus, sowie Events und Kurse die Interessierte in die Welt des Kaffees entführen.

Rösterei – Kaffee und Bar, Güterstrasse 6, 3008 Bern, www.roesterei.be

Säbi Zyt , von Maja Boss Säbi Zyt

Susanna Schwager erzählt das Leben des Metzgers Hans Meister – ihrem Grossvater – welcher anfangs des letzten Jahrhundert im Emmental zur Welt kam. In wunderbar authentischer Sprache lässt sie „säbi Zyt“ aufleben und schildert den damaligen Alltag mit den Augen eines „einfachen“ Mannes der mit Klugheit und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn seinen Weg geht. „Ich möchte, dass das frühere Leben noch ein bisschen in Erinnerung bleibt. Aber so, wie es wirklich war, ich will nichts beschönigen“, zitiert Susanna Schwager ihren Grossvater. Ein berührendes Buch über eine beinahe verschwundene Zeit.

www.susannaschwager.chwww.chronos-verlag.ch