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FC St. Pauli - Das Phänomen , von Michael Klesse FC St. Pauli - Das Phänomen

Seit Mitte der 1980er Jahre wird St. Pauli als linker Fussballclub wahrgenommen. Zu dieser Zeit stellte dies eine Ausnahme dar, da in Westdeutschland die Stadien vieler Vereine von rassistischen Parolen geprägt waren. 

St. Pauli ist für viele Menschen, nicht nur in Hamburg, weit mehr als der Erfolg einer Fussballmannschaft, es ist eine Idee, eine Utopie. Es sind nicht die kaum vorhandenen sportlichen Erfolge, mit denen sich der FC St. Pauli sich einen Namen gemacht hat, sondern nahezu alles, was den Verein heute bekannt gemacht und besonders macht, lässt sich auf die alternative Fanszene am Millerntor zurückführen. Er beweisst, dass eine deutliche und selbstbewusst artikulierende politische Identität keinesfalls undenkbar ist, dass es keinen unpolitischen Fussball geben muss, vielleicht nicht geben darf.

Der FC St. Pauli und sein Umfeld haben sich frühzeitig und wie kaum ein anderer Verein mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus auseinandergesetzt. Die Diskussion um aktuelle Ausgrenzungs- und Diskriminierungsmechanismen findet ihren Widerhall in der Stadionordnung. Laut dieser sind rassistische und sexistisches Verhalten sowie das Tragen neonazistischer Kleidung untersagt. Zudem ist die Regenbogenfahne auf dem Dach des Stadions gehisst. Sie steht symbolisch für die Bemühungen, Menschen lediglich auf Basis ihrer Zuneigung zum Verein zu beurteilen und nicht nach Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht oder Hautfarbe.

Es ist das stete Zusammenwirken von Fans und Verein, das dafür sorgt, eine weitreichende Öffentlichkeit zu schaffen. Alle Entwicklungen sind Ergebnis einer sehr agilen, kritischen und linksalternativen Fansszene, die Ende der 1980er Jahre auf der damaligen Gegengeraden entstand und mit nichts vergleichbar war.

www.fcstpauli.com, www.kiezhelden.com